Bayerisches Weihnachtslied: Es wird scho glei dumpa (Es wird schon gleich dunkel)

Singen in der staden Zeit – das ist schön, romantisch, wohltuend und wichtig für das Familienleben. Am beliebtesten ist zumeist „Stille Nacht, heilige Nacht“. Aber auch der regionale Liederschatz will entdeckt sein. Das Weihnachtslied „Es wird scho glei dumpa“ stammt ursprünglich aus dem Brixental in Tirol. Anton Riediger hat es um 1900 verfasst, erstmals veröffentlicht wurde es von Franz Friedrich Kohl und Josef Reiter in der Sammlung „Echte Tiroler Lieder“, die die Überlieferung durch einen alten Sternsinger aufnahmen. Heute wird es nicht nur in Tirol gesungen, sondern auch in allen anderen alpenländischen Gegenden.

„Es wird scho glei dumpa“ ist ein Wiegenlied für das Jesus-Kind in der Krippe und vereint Volksglaube und Weihnachtsgeschichte auf berührende Weise.

Die Noten zum Text gibt es unter diesem Link, zum Anschauen und Anhören hier eine schöne Aufnahme:

Es wird scho glei dumpa

Es wird scho glei dumpa, es wird scho glei Nacht,
Drum kimm i zu dir her, mei Heiland auf d’Wacht.
Will singa a Liadl, dem Liebling dem kloan,
mogst ja net schlafa i hear di no woan.
Hei hei, hei hei. Schlaf süß, herzliabs Kind.

Vergiß jetzt, o Kinderl, dein Kumma, dei Load,
Daß du da mußt leidn, im Stall auf da Hoad.
Es ziern ja die Engerl dei Liagerstatt aus,
Möcht schöner nit sei drin an König sei Haus.
Hei hei, hei hei. Schlaf süß, herzliabs Kind.

Ja Kinderl, du bist halt im Kripperl so schen,
mi ziemt, i kann nimmer da weg von dir gehn.
I wünsch dir von Herzen die süaßte Ruah,
die Engerl vom Himmel, die deckn di zua.
Hei hei, hei hei. Schlaf süß, herzliabs Kind.

Schließ zua deine Äugerl in Ruh und in Fried,
Und gib ma zum Abschied dein Segn no grad mit!
Dann wird a mein Schlaferl so sorglos sein,
Dann kann i mi ruhig aufs Niedalegn freun.
Hei hei, hei hei schlaf süß, herzliabs Kind.

Und für die, die des Dialekts nicht kundig sind gibt es auch eine hochdeutsche „Übersetzung“, die ich gerne hier mit aufnehme.

Es wird schon gleich dunkel

Es wird schon gleich dunkel, es wird ja schon Nacht,
Drum komm ich zu dir her, mein Heiland auf d’Wacht.
Wir singen ein Liedlein dem Kindlein, dem kleinen.
Du magst ja nicht schlafen, ich hör dich nur weinen.
Ei, ei, ei, ei,
Schlaf süß, herzlieb’s Kind.

Vergiß jetzt, o Kindlein, dein‘ Kummer, dein Leid,
Dass du da musst leiden im Stall auf der Heid‘.
Es zier’n ja die Engel dein Krippelein aus,
Möcht‘ schöner nicht sein in dem vornehmsten Haus.
Ei, ei, ei, ei,
Schlaf süß, herzlieb’s Kind.

O Kindlein, du liegst dort im Kripplein so schön;
Mir scheint, ich kann niemals von dir dort weggehn.
Ich wünsch‘ dir von Herzen die süßeste Ruh‘;
Die Engel vom Himmel, die decken dich zu.
Ei, ei, ei, ei,
Schlaf süß, herzlieb’s Kind.

Schließ zu deine Äuglein in Ruh‘ und in Fried‘
Und gib mir zum Abschied dein‘ Segen nur mit.
Dann wird auch mein Schlafen ganz sorgenlos sein,
Dann kann ich mich ruhig auf’s Niederleg’n freun.
Ei, ei, ei, ei,
Schlaf süß, herzlieb’s Kind.

3 Gedanken zu „Bayerisches Weihnachtslied: Es wird scho glei dumpa (Es wird schon gleich dunkel)

  1. Konsulent Ing. Alfred Herrmüller

    „Es wird scho glei dumpa“ ist wirklich ein wunderbares Lied!
    doch woher stammt es wirklich?
    Das Brixental in Tirol war nur eine Zwischenstation. Das Lied stammt nachweislich aus Oberösterreich.
    Bereits im Jahr 1884 wurde es in Linz an der Donau/Oberösterreich erstmals in einem Buch veröffentlicht. Es verbreitete sich im ganzen Land. 1910 zeichnete es F. Kohl von einem Sternsinger auf und veröffentlichte es in seinem Buch „Echte Tiroler Lieder“. Daher gilt es als Tiroler Lied.
    Ich habe in den letzten Jahren intensive Forschungen zum Lied betrieben und über das Lied und seinen Schöpfer Anton Reidinger ein Buch verfasst: „Es wird scho glei dumpa – ein oberösterreichisches Lied von Anton Reidinger“. 140 Seiten Format A4, 19,90 € + Porto. Anton Reidinger verfasste auch eine Reihe von Mundartgedichten über Weihnachten und andere. Diese sind in einem weiteren Buch von mir 2014 erschienen. EMail: alfred.herrmueller@aon.at

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