Ami tomake – ein bengalisches Wiegenlied, das des öfteren in der Babymassage Anwendung findet, wurde mir erst kürzlich von einer Kollegin aus der Schweiz ans Herz gelegt. Seitdem ist es mir ans Herz gewachsen und darum findet es jetzt den gebührenden Platz in meinem Liedblog. Der Text des Liedes ist kurz und eine Liebeserklärung an alle kleinen Menschlein, die auf die Welt kommen werden oder vielleicht gerade gekommen sind:
Ami tomake balobashi baby. Ami tomake balobashi baby.
Was in der deutschen Übersetzung ganz einfach: “Ich liebe Dich, Baby!” heißt.
Das Lied aus Bangladesch eignet sich zur Geburtsvorbereitung, zur Geburtsbegleitung und natürlich auch als Wiegenlied, wenn das Kleine auf die Welt gekommen ist. Ich habe besonders beim pränatalen Bonding sehr gute Erfahrungen damit gemacht.
Über den Ursprung des kurzen Songs kann ich leider nicht viel berichten – es gibt allerdings eine CD, die man unter diesem Link bestellen kann: http://infantastic.net/index.php?a=18.
Ami tomake lässt sich aber auch wunderbar ohne Begleitung singen. Falls jemand eine Oceandrum oder eine Klangschale zuhause hat, kann diese zum Gesang dazu anschlagen. Und jetzt hier zum Üben oder als Anregung eine kurze Kostprobe:
Klar: Es muss eine einfach und eingängige Melodie haben. Darüber hinaus unsterstützen viele Wiederholungen im Text und in der Melodie den beruhigenden Charakter, den unser Schlaflied haben sollte. Das gibt uns Großen und Kleinen das Gefühl von Sicherheit und Vorhersehbarkeit, um abends den Tag loslassen zu können. Es sollte kurz und einprägsam sein, damit wir es viele Mal hintereinander singen können. Und im besten Falle sprechen uns die Worte persönlich an.
Ein Gospel aus dem nordamerikanischen Raum eignet sich besonders gut für das abendliche Einschlafritual: “Kumbaya (auch Kum bay ya), my lord!”, wobei “Kumbaya” für “Come by here” steht. Die Ursprünge des Songes sind umstritten. Wer sich über die genaueren Umstände zur Entstehung interessiert, kann sich den Artikel bei Wikipedia zu Gemüte führen. In den USA steht das Lied für viele im Zusammenhang mit der Bürgerrechtsbewegung, es ist aber vor allem ein religiöses Lied, das sich als Gebet oder Aufforderung an Gott wendet.
Für die Kleinen ist es nicht wichtig, die Worte im Einzelnen zu verstehen. Babys beispielsweise lieben das Singen auf verschiedenen Fantasielauten. Nichts anderes ist das Englische am Anfang für sie. Nach und nach werden die Kinder Ihre Laute nachahmen und später, wenn sie heranwachsen kann man Ihnen dann die Worte erklären. Kleiner Sprachunterricht inklusive.
Hier nun also der Text des Gospels:
Kumbaya, my Lord, Kumbaya! Kumbaya, my Lord, Kumbaya!
Singen in der staden Zeit – das ist schön, romantisch, wohltuend und wichtig für das Familienleben. Am beliebtesten ist zumeist “Stille Nacht, heilige Nacht”. Aber auch der regionale Liederschatz will entdeckt sein. Das Weihnachtslied “Es wird scho glei dumpa” stammt ursprünglich aus dem Brixental in Tirol. Anton Riediger hat es um 1900 verfasst, erstmals veröffentlicht wurde es von Franz Friedrich Kohl und Josef Reiter in der Sammlung „Echte Tiroler Lieder“, die die Überlieferung durch einen alten Sternsinger aufnahmen. Heute wird es nicht nur in Tirol gesungen, sondern auch in allen anderen alpenländischen Gegenden.
“Es wird scho glei dumpa” ist ein Wiegenlied für das Jesus-Kind in der Krippe und vereint Volksglaube und Weihnachtsgeschichte auf berührende Weise.
Die Noten zum Text gibt es unter diesem Link, zum Anschauen und Anhören dieses Mal eine Aufnahme mit Hubert von Goisern – ganz authentisch beim Adventssingen in Salzburg.
Es wird scho glei dumpa
Es wird scho glei dumpa, es wird scho glei Nacht,
Drum kimm i zu dir her, mei Heiland auf d’Wacht.
Will singa a Liadl, dem Liebling dem kloan,
mogst ja net schlafa i hear di no woan.
Hei hei, hei hei. Schlaf süß, herzliabs Kind.
Vergiß jetzt, o Kinderl, dein Kumma, dei Load,
Daß du da mußt leidn, im Stall auf da Hoad.
Es ziern ja die Engerl dei Liagerstatt aus,
Möcht schöner nit sei drin an König sei Haus.
Hei hei, hei hei. Schlaf süß, herzliabs Kind.
Ja Kinderl, du bist halt im Kripperl so schen,
mi ziemt, i kann nimmer da weg von dir gehn.
I wünsch dir von Herzen die süaßte Ruah,
die Engerl vom Himmel, die deckn di zua.
Hei hei, hei hei. Schlaf süß, herzliabs Kind.
Schließ zua deine Äugerl in Ruh und in Fried,
Und gib ma zum Abschied dein Segn no grad mit!
Dann wird a mein Schlaferl so sorglos sein,
Dann kann i mi ruhig aufs Niedalegn freun.
Hei hei, hei hei schlaf süß, herzliabs Kind.
Und für die, die des Dialekts nicht kundig sind gibt es auch eine hochdeutsche “Übersetzung”, die ich gerne hier mit aufnehme.
Es wird schon gleich dunkel
Es wird schon gleich dunkel, es wird ja schon Nacht,
Drum komm ich zu dir her, mein Heiland auf d’Wacht.
Wir singen ein Liedlein dem Kindlein, dem kleinen.
Du magst ja nicht schlafen, ich hör dich nur weinen.
Ei, ei, ei, ei,
Schlaf süß, herzlieb’s Kind.
Vergiß jetzt, o Kindlein, dein’ Kummer, dein Leid,
Dass du da musst leiden im Stall auf der Heid’.
Es zier’n ja die Engel dein Krippelein aus,
Möcht’ schöner nicht sein in dem vornehmsten Haus.
Ei, ei, ei, ei,
Schlaf süß, herzlieb’s Kind.
O Kindlein, du liegst dort im Kripplein so schön;
Mir scheint, ich kann niemals von dir dort weggehn.
Ich wünsch’ dir von Herzen die süßeste Ruh’;
Die Engel vom Himmel, die decken dich zu.
Ei, ei, ei, ei,
Schlaf süß, herzlieb’s Kind.
Schließ zu deine Äuglein in Ruh’ und in Fried’
Und gib mir zum Abschied dein’ Segen nur mit.
Dann wird auch mein Schlafen ganz sorgenlos sein,
Dann kann ich mich ruhig auf’s Niederleg’n freun.
Ei, ei, ei, ei,
Schlaf süß, herzlieb’s Kind.
Der Klassiker unter den Abendliedern schlechthin ist wohl das bekannte Lied “Der Mond ist aufgegangen”. Ihm zugrunde liegt ein Gedicht von Matthias Claudius (1740-1815), man geht von einer Entstehung um 1778 aus. Die Vertonung von Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800) sicherte dem Gedicht im überlieferten deutschen Liedgut einen festen Platz. Wer sich für eine ausführliche Besprechung interssiert sei an dieser Stelle auf den entsprechenden Wikipedia Artikel verwiesen.
“Der Mond ist aufgegangen” eignet sich – auch wenn es schon sehr alt ist – wunderbar als Wiegenlied oder Schaflied beim Babybauchsingen und Babysingen. Die Melodie ist hat einen ruhigen, durchgehenden, sich wiederholenden Rhythmus und die Tonhöhen gehen gegen Ende der einzelnen Phrasen regelmäßig nach unten. Das unterstreicht den beruhigenden Charakter des Lieds. Eigentlich genügt es, eine Strophe des Liedes zu kennen – ich möchte Euch allerdings besonders die dritte ans Herz legen. Hier jetzt eine Auswahl der Strophen, die sich meiner Meinung nach am ehesten für das Singen mit Kindern eignen:
Der Mond ist aufgegangen
Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille und in der Dämmerung Hülle
so traulich und so hold !
Als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.
Seht ihr den Mond dort stehen ?
Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen, die wir getrost verlachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.
So legt euch denn ihr Brüder
in Gottes Namen nieder ; kalt ist der Abendhauch.
Verschon´ uns Gott mit Strafen und laß uns ruhig schlafen
und unsren kranken Nachbarn auch.
Wer alle Strophen des Liedes lernen möchte kann sich die hier anschauen.
Um sich die Melodie zu vergegenwärtigen lohnt es sich auch “Der Mond ist aufgegangen” einmal als schönen Chorsatz anhören. Kriegt man da nicht Lust mitzusingen?
Manchmal hat man als Eltern einfach keine Lust mehr auf die üblichen Kinderlieder. Warum also nicht einfach mal das singen, was uns Erwachsenen gerade in den Sinn kommt? Ob es jetzt der aktuelle Sommerhit ist oder eine Schnulze aus dem letzten Kinofilm – es gefällt was Spaß macht. Und einer der Songs, der mir bei einer solchen Gelegenheit eingefallen ist und der sich wunderbar als Schlaflied eignet ist der Jazz Klassiker: “Over the rainbow” (Musik: Harold Arlen, Text: E.Y. Harburg). Es ist eines der bekanntesten Lieder aus den späten 1930ern und wurde nach Judy Garland von zahlreichen Größen der Musikwelt interpretiert: Glenn Miller, Bob Crosby, Ella Fitzgerald, Lous Armstrong. Mitte der 1990er gelang Dj Marusha mit einer Coverversion der große Durchbruch, heute singt ihn Norah Jones. Es ist also ein All Time Klassiker und es lohnt sich den unseren Kleinen zu vermitteln. Der Text erzählt von der Sehnsucht nach einem traumhaft schönen Land, irgendwo hinter dem Regenbogen. Einem Land, in dem der Himmel stets blau ist und bunte Singvögel fliegen und alle Träume wahr werden.
“Over the rainbow”
Somewhere, over the rainbow, way up high,
Theres a land that I heard of once in a lullaby.
Somewhere, over the rainbow, skies are blue,
And the dreams that you dare to dream
Really do come true.
Someday Ill wish upon a star
And wake up where the clouds are far behind me.
Where troubles melt like lemon drops,
Away above the chimney tops,
Thats where youll find me.
Somewhere, over the rainbow, bluebirds fly.
Birds fly over the rainbow,
Why then – oh, why cant I?
If happy little bluebirds fly
Beyond the rainbow
Why, oh, why cant I?
If happy little bluebirds fly
Beyond the rainbow
Why, oh, why cant I?
Und so sah im es Original aus, als Judy Garland in dem Film “Der Zauberer von Oz”, den Song zum ersten Mal sang.
Auf der Suche nach zeitgenössischen Schlaf- und Kinderliedern kommt man an dem “Altmeister” des deutschsprachigen Kinderlieds Fredrik Vahle nicht vorbei. Seit den 70er Jahren ist er unermüdlich dabei, die Kinderzimmer mit Bewegungs- und Spielliedern zu bereichern. Vahle ist nicht nur Autor und Kinderliedermacher, sondern auch Professor für Germanistik an der Universität Gießen. Für seine Verdienste bei der Entwicklung des „neuen Kinderliedes“ wurde er bereits offiziell geehrt – seine Bekanntheit in der Praxis ist allerdings immer noch gering und Empfehlungen unter Eltern werden zumeist mündlich weiter gegeben.
Ich bin durch ein besonders schönes Schlaflied auf Fredrik Vahle gestoßen. Es heißt “Schalflied für Anne”. Der Text ist sehr bilderreich, hat lustige aber auch verträumte Elemente.
Der besondere Babybauchsingen Tip: Wenn man den Namen “Anne” mit dem Namen des eigenen Kindes ersetzt wird das Lied persönlicher. Auch wenn Ihr Baby noch im Mutterleib ist wird es dadurch direkt angesprochen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Sie sich schon für einen Namen entschieden haben. Andernfalls können Sie auch ein Kosewort verwenden. Singen Sie zuächst die drei Strophen, reduzieren Sie nach und nach das Tempo und gehen Sie zum Schluß ins Summen über. So findet Ihr Baby leichter in den Schlaf.
Schlaflied für Anne
Schlaf, Anne, schlaf nur ein, bald kommt die Nacht.
Hat sich aus Wolken Pantoffeln gemacht
Kommt von den Bergen, kommt von ganz weit.
Schlaf, Anne, schlaf nur ein, es ist Schlafenszeit.
Schlaf, Anne, schlaf nur ein, bald kommt der Mond,
der draußen hinter den Birnbäumen wohnt,
einer davon kitzelt ihn sanft am Kinn.
Lächelt der Mond und zieht leise dahin.
Schlaf, Anne, schlaf nur ein, bald kommt ein Traum.
Schlüpft dir zum Ohr hinein, merkst ihn erst kaum,
fährst auf dem Traumschiff ans Ende der Nacht,
bis dir der Morgen die Augen aufmacht.
Die offizielle Website von Fredrik Vahle findet man hier.
Und hier kann man sowohl die CD, als auch das Liederbuch kaufen.
In den letzten Jahren haben einige wissenschaftliche Studien die Wichtigkeit des Singens mit Kindern und Babys belegt. Als positive Auswirkungen gelten beispielsweise die Schulung des kindlichen Hörens und die positive Unterstützung der Sprach- und Intelligenzentwicklung. Schlaf- und Wiegenlieder beruhigen und das abendliche Lied als Ritual gibt kleinen und großen Kindern Sicherheit und das Gefühl des Geborgen-Seins.
Der SWR hat zusammen mit dem Carus- und Reclam Verlag einen sehr schönen Band mit Wiegenliedern herausgegeben. Dabei handelt es sich um eine gemeinschaftliche Aktion von Rundfunk und Verlag für das Benefizprojekt “Singen mit Kindern”. Eines der Lieder aus diesem besonderen Band möchte ich heute vorstellen: “Shlof main fegele”.
Dabei handelt es sich um ein traditionelles Lied galizischer Juden aus dem 19. Jahrhundert in jiddischer Sprache. Leider ist das jiddische Liedgut infolge des Holocausts weitgehend aus dem musikalischen Bewusstsein vieler Familien verschwunden. Daher freut es mich besonders, dass ein jüdisches Lied in das Wiegenlieder-Buch aufgenommen wurde. Es ist ein wahrer Schatz!
Die freue Übersetzung lautet:
“Schlaf, mein Vögelchen, mach Deine Augen zu, ai-lu-lu-lu, schlaf schön, mein Kind, schlaf du, sei gesund, ai-lu-lu-lu, schlaf und träume süß vom Schönen der Welt, ai-lu-lu-lu. Solange du jung bist, kannst du leicht schlafen und über alles lachen.”
Und hier der jiddische Originaltext:
Shlof main fegele,
macht tzu dain egele,
ai-lu-lu-lu.
shlof geshmak main kind,
shlof und zai gezund,
ai-lu-lu-lu,
shlof und cholem zis
fun der velt genis
ai-lu-lu-lu.
Kol z’man du bist yung,
kenst du shlofen gring,
lachen fun altzding,
ai-lu-lu-lu.
Auf der Site des Wiegenlieder-Projekts kann man den Text, die Noten und die Mitsingversion herunterladen. Zusammen mit anderen Künstlern hat unter anderen Helene Schneidermann das Lied für die CD zum Buch eingesungen. Sehr empfehlenswert!
Der Eine oder die Andere kennt dieses Lied des 18. Jahrhunderts vielleicht noch aus dem Französischunterricht. Wenn es eindrücklich unterrichtet wurde, dann ist vielleicht noch die Melodie bekannt, sicherlich aber nicht der ganz Text präsent. Ich stelle “Au clair de la lune” heute als französisches Schlaflied vor, eigentlich ist es aber viel mehr. Das stimmungsvolle “Mondscheinlicht” ist genau genommen ein Lied für Erwachsene, denn es handelt von Liebe und Begehren. Da die Melodie, die unbelegterweise Jean-Baptiste Lully zugeschrieben wird, jedoch sehr eingängig ist und einen geringen Tonumfang hat, eignet es sich wunderbar für kleine Sänger und Sängerinnen zum Mitsummen.
Und nun zur Erinnerung und zur Auffrischung der verstaubten Französischkenntnisse der ganze Text.
Au Claire de la lune
Au clair de la lune, mon ami Pierrot
Prête-moi ta plume, pour écrire un mot.
Ma chandelle est morte, je n’ai plus de feu.
Ouvre-moi ta porte, pour l’amour de Dieu.
Au clair de la lune, Pierrot répondit :
« Je n’ai pas de plume, je suis dans mon lit.
Va chez la voisine, je crois qu’elle y est
Car dans sa cuisine, on bat le briquet. »
Au clair de la lune, mon ami Pierrot
Prête-moi ta plume, pour écrire un mot.
Ma chandelle est morte, je n’ai plus de feu.
Ouvre-moi ta porte, pour l’amour de Dieu.
Au clair de la lune, on n’y voit qu’un peu.
On chercha la plume, on chercha du feu.
En cherchant d’la sorte je n’sais c’qu’on trouva.
Mais je sais qu’la porte sur eux se ferma.
Wer eine deutsche Prosaübersetzung braucht oder sich für den französischen Urtext interessiert, den verweise ich auf einen Artikel bei Wikipedia, den man an dieser Stelle nachlesen kann.
Hier kann man sich das ganze Lied dann auch noch anhören.
Guten Abend, gut’ Nacht
Mit Rosen bedacht
Mit Näglein besteckt
Schlüpf unter die Deck’
Morgen früh, wenn Gott will
Wirst du wieder geweckt
Morgen früh, wenn Gott will
Wirst du wieder geweckt
Guten Abend, gut’ Nacht
Von Englein bewacht
Die zeigen im Traum
Dir Christkindleins Baum
Schlaf nun selig und süß
Schau im Traum ‘s Paradies
Schlaf nun selig und süß
Schau im Traum ‘s Paradies.
Die Melodie von “Guten Abend, gut Nacht” ist ein wahrer Spieluhrenklassiker, der Text zum Lied – vor allem die erste Strophe – weitgehend bekannt. Kaum einer jedoch weiß, dass mehrere beudetende Personen der deutschen Literatur- und Musikgeschichte an der Entstehung dieses einfachen Lieds beteiligt sind. Da ist zunächst einmal der Text der 1. Strophe: er entspringt einer Sammlung von Volksliedtexten, die zwischen 1805 und 1808 von Clemens Brentano und Achim von Arnim unter dem Titel “Des Knaben Wunderhorn” herausgegeben wurde. Die 2. Strophe des Lieds stammt aus der Feder von Georg Scherer (1824-1909).
Vertont wurden die beiden Strophen von Johannes Brahms (1833-1897) nach einer Volksweise. Das romantische Wiegenlied ist die Nr 4 aus op. 49 mit dem Titel “Fünf Lieder für eine Stimme”.
Und wer sich auch schon als Kind über die Textzeile “mit Näglein bedeckt” gewundert hat, für den gibt es hier folgenden Hinweis. “Näglein” – unsere heutigen Gewürznelken wurden in früheren Zeiten an die Wiege gesteckt, um Krankheiten und Insekten fernzuhalten. Der Autor möchte dem Kindlein demnach einen besonderen Schutz auf die Nacht mitgeben. Das ist doch letzten Endes der Wunsch von uns allen: unsere Kleinen behütet und beschützt zu wissen.
Ein wirklich bemerkenswert schönes Wiegenlied ist die russische Weise Bajuschki baju (kyrillisch: баюшки – баю, engl. Transkription: bayushki bayu, dt. Transkription: bajuschki baju). In unseren Breitengraden ist es nicht sonderlich bekannt, meiner Meinung nach aber zu Unrecht. Russische Mütter singen ihren Kinder das Lied zum Schlafen vor, aber auch für deutschsprachige Familien stellt es eine schöne Bereicherung dar. Der Text von Michael Lermontov (1814-1841) ist sehr melancholisch und verbindet inhaltlich die Liebe der Mutter mit ihren Gedanken an Abschied und Trennung von ihrem Kind. “Bajuschki baju” wurde als “Kaukasisches Wiegenlied” oder “Kosakenwiegenlied” bekannt. Die Melodie ist eine einfache Weise aus dem russischen Volksliedgut.
Es werden verschiedene Versionen des Liedes gesungen. Bei meiner Recherche habe ich einen deutschen Text gefunden, der inhaltlich an das Original anknüpft, allerdings nicht ganz so poetisch und auch inhaltlich neutraler ist. Leider finden sich im ursprünglichen Wortlaut des Liedes Stellen, die verunglimpfend gegenüber der tschetschenischen Bevölkerungsgruppe gedeutet werden können. Der deutsche Text ist also ganz gut geeignet, um das Lied mit neuen Inhalten zu füllen. Wer sich für den Originaltext und die Noten interessiert wird hier fündig. Bajuschki baju ist ein Wort aus der (russischen) Babysprache. “baj-baj” bedeutet “schlafen” und wird hier als liebkosender Ausdruck nicht übersetzt. Hier nun also die deutsche Version:
Schlaf mein Kind,
ich wieg dich leise,
Bajuschki, baju,
Singe die Kosakenweise,
Bajuschki, baju.
Draußen rufen
fremde Reiter
durch die Nacht sich zu.
Schlaf, mein Kind, sie reiten weiter,
Bajuschki, baju.
Einmal wirst auch
du ein Reiter,
Bajuschki, baju.
Von mir ziehen immer weiter,
Fernen Ländern zu.
In der Fremde,
fern der Heimat
Denkst du immerzu
an die Mutter, die dich lieb hat,
Bajuschki baju.
Schlaf mein Kindlein,
Halt ein Schläfchen,
Bajuschki baju.
Silbermond und Wolkenschäfchen
Seh’n von oben zu.
Die Melodie des Liedes habe ich leider bisher nur als Midi-Datei gefunden, zum Üben tut es das aber durchaus auch mal.
In folgendem (übrigens sehr empfehlenswerten) Liederbuch finden sich die Noten zu Bajuschki Baju.